Zukunftschancen verbessern mit Berufsorientierungsräumen – Wie die IHK Darmstadt Schulen in der Einrichtung von "Zukunftswerkstätten" unterstützt

Bianca Lenz (INBAS GmbH)

Seit 2011 unterstützt die IHK Darmstadt Rhein Main Neckar Schulen in der Einrichtung von Berufsorientierungsräumen. In einer Vollversammlung beschlossen die Unternehmerinnen und Unternehmer, Schulen – schwerpunktmäßig Haupt- und Realschulen sowie Integrierte und Kooperative Gesamtschulen – ein Budget zur Verfügung zu stellen, damit sie sogenannte Zukunftswerkstätten aufbauen können. Mit diesen Berufsorientierungsräumen schaffen die Schulen einen Ort, an dem Betriebe und Jugendliche jederzeit zusammen kommen können und machen Berufsorientierung in den Schulen "sichtbar", indem sie ihre Aktivitäten und Angebote zur Berufsorientierung räumlich bündeln.

Jugendliche als Fachkräfte von morgen in der Region zu halten, ist – neben der direkten Vermittlung in ein Ausbildungsverhältnis und der bewussten Auswahl des Ausbildungsberufs (zwecks Vermeidung von Ausbildungsabbrüchen) – ein zentrales Ziel der "Zukunftswerkstätten".

Die IHK knüpft die Förderung an die Erfüllung zentraler OloV-Qualitätsstandards aus dem Bereich Berufsorientierung (www.olov-hessen.de/qualitaetsstandards). So müssen die Schulen z.B. eine OloV-Schulkoordination Berufsorientierung als verantwortliche Ansprechperson benennen, die Zukunftswerkstatt im Curriculum Berufsorientierung verankern (ab der 7. Klasse) und ein Kompetenzfeststellungsverfahren anwenden.

Zukunftswerkstätten in der Praxis

Die Georg-Ackermann-Schule in Breuberg, eine kooperative Gesamtschule, eröffnete ihre Zukunftswerkstatt im Februar 2014. Zentrales Ziel der Schule ist es, möglichst all ihren Schülerinnen und Schülern direkt nach dem Schulabschluss den Übergang in eine für sie passende Ausbildung zu ermöglichen. Dazu sollen die Kontakte zwischen den Jugendlichen und Unternehmen aus der Region intensiviert werden. Meist kennen die Jugendlichen nur zehn Ausbildungsberufe, so der OloV-Schulkoordinator für die Berufsorientierung, Tobias Bechtold. Welche vielfältigen Möglichkeiten die Betriebe aus der Umgebung für sie bereithalten, sei vielen nicht bewusst.

Ralph Sparfeld, der als Schulsozialarbeiter u.a. das "Berufsorientierungsseminar" für alle Schülerinnen und Schüler im Bildungsgang Hauptschule in der 8. Jahrgangsstufe durchführt, schätzt den Raum als Ort, in dem alle Materialien zur Berufsorientierung gesammelt werden und für die Jugendlichen bereit stehen. Er und Schulkoordinator Tobias Bechtold werden künftig im Wechsel allen interessierten Jugendlichen täglich, voraussichtlich in der 7. Schulstunde, bei allen Fragen zur Berufsorientierung als Ansprechpersonen in der Zukunftswerkstatt zur Verfügung stehen.

Die Schülerinnen und Schüler werden im Rahmen des Pflichtunterrichtes, des Wahlpflichtunterrichtes (CNC-Programmierung, Fischer-Technik) sowie bei Workshops den Raum nutzen. Nach dem Unterricht haben sie Zeit, eigenständig oder mit Hilfe der Ansprechpersonen, nach Praktikums- oder Ausbildungsstellen zu suchen oder sich zunächst einmal z.B. auf der von der Arbeitsagentur betriebenen Internetplattform "Planet Beruf" (www.planet-beruf.de) über Berufsfelder zu informieren. Auch die Schulsozialarbeit wird den Raum mit Jugendlichen nutzen, z.B. um beim Schreiben von Bewerbungen zu helfen oder zur Durchführung des Berufsorientierungsprojektes "Was nun?".

Mehr als ein Projekt: Berufsorientierungsräume mit Zukunft

Zur Einrichtung der Zukunftswerkstatt in Breuberg zogen alle an einem Strang: Der Kreis als Schulträger sorgte für den Raum, die Tische und Stühle. Der Förderverein der Schule spendete ein Smartboard, u.a. für Präsentationen von Unternehmen. Die IHK ermöglichte mit der Anschubfinanzierung die Anschaffung von 13 Laptops für Recherchen rund ums Thema Berufsorientierung oder das Schreiben von Bewerbungen.

Damit waren die Voraussetzungen für die Einrichtung des Berufsorientierungsraums geschaffen, jedoch nicht für dessen dauerhafte Unterhaltung. Zur mittel- und langfristigen Finanzierung empfiehlt die IHK ein Sponsoring-Modell, das die Georg-Ackermann-Schule übernommen hat und welches Schulen anwenden, die bereits Zukunftswerkstätten unterhalten: Betriebe sind eingeladen, sich finanziell zu engagieren und erhalten im Gegenzug verschiedene Möglichkeiten, sich den Schülerinnen und Schülern zu präsentieren und Kontakte zu knüpfen (z.B. Sponsoringplakat, Nennung der Firma in Pressemeldungen, Logo und Link auf der Schulhomepage, Durchführung von Einstellungstests im BO-Raum, weitere Ideen von Betrieben sind willkommen).

Die Georg-Ackermann-Schule ist die 38. Schule, die eine Zukunftswerkstatt eröffnet hat. In allen fünf Regionen des IHK-Bezirks Darmstadt (Kreis Bergstraße, Landkreis Groß-Gerau, Stadt Darmstadt, Landkreis Darmstadt-Dieburg, Odenwaldkreis) haben Schulen Zukunftswerkstätten eingerichtet, weitere Schulen planen die Eröffnung (vgl. Übersichtskarte zu den Schulstandorten unter www.darmstadt.ihk.de). Insgesamt stellt die IHK Darmstadt den Schulen dafür ein Budget von einer Million Euro bereit.

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