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Praxisbeispiel zum Qualitätsstandard
BO5 - "Regionale Berufsorientierungs-Veranstaltungen"


Last Minute Ausbildungscamp in Gießen

Erstmals im Jahr 2011 haben ausbildungsplatzsuchende Jugendliche aus der Stadt und dem Landkreis Gießen 14 Tage im Last Minute Ausbildungscamp im Rahmen von OloV verbracht, und fast alle Teilnehmer/innen haben das Ziel der Aktion erreicht: eine Anschlussperspektive nach dem Schulabschluss.

Inhalte des Camps: Individuelle Betreuung ist das A und O

Von 21 angemeldeten Jugendlichen kamen zur Eröffnung des OloV-Ausbildungscamps am 20. Juni fünf Mädchen und neun Jungen mit Realschul- bzw. Hauptschulabschluss.

Unterstützt von Ausbildungskoordinatoren stand in der ersten Woche neben der Teambildung die individuelle Beratung der Jugendlichen im Vordergrund: Mittels eines "Schnell-Kompetenztests" wurden am ersten Tag Stärken und Schwächen der Jugendlichen ermittelt. Am folgenden Tag wurden in Einzelgesprächen die Berufswünsche konkretisiert, mit den Schulnoten in Einklang gebracht und berufliche Angebote der Region erkundet. Auch die Reflexion der bisher erfolglosen Ausbildungsplatzsuche stand auf dem Programm.

Bei einem Besuch im BIZ (Berufsinformationszentrum), konnten sich die Jugendlichen näher mit ihren Berufswünschen, den entsprechenden Anforderungen und Arbeitsorten auseinandersetzen. Ein individuelles Bewerbungsgesprächstraining mit Experten bildete den Abschluß der ersten Woche.

Die zweite Woche verbrachten die Jugendlichen in verschiedenen Betrieben der Region, wo sie ein Schnupperpraktikum in ihrem gewählten Ausbildungsberuf absolvieren konnten.
Die Aufarbeitung der bisherigen Erfahrungen der jungen Leute - insbesondere die Verarbeitung der zahlreichen Absagen - nahm den größten Raum in diesen intensiven zwei Wochen ein. So verzeichnete ein Jugendlicher 35 Absagen, ohne sich dies erklären zu können. Viele Bewerbungen blieben sogar ohne eine Antwort. Es fiel auf, dass insbesondere die Jugendlichen mit Migrationshintergrund mit einer solchen Situation gar nicht umgehen konnten. Auch die Perspektive, in von Migranten geführten Betrieben einen Ausbildungsplatz zu finden, betrachteten sie selbst als aussichtlos.
Zwei Lehrerinnen aus der Kerschensteiner-Schule und der Brüder-Grimm-Schule begleiteten das Camp ehrenamtlich in der 2. Woche und kamen zu den Abendtreffen dazu. Hier wurde gemeinsam gegessen, die Erfahrungen des Tages besprochen und "Schnellunterricht" in Mathe und Deutsch erteilt.

Fazit

Die Bilanz des Ausbildungscamps konnte sich sehen lassen: In Ausbildung gingen zwei Teilnehmer/innen, fünf wollten weiter zur Schule gehen, zwei entschieden sich für eine Einstiegsqualifizierung (EQ), einer für ein Freiwilliges Soziales Jahr und vier sind in weiterer Betreuung durch ZAUG.

Jedoch brauchten alle Teilnehmer/innen individuelle, verlässliche und kontinuierliche Begleitpersonen, um erfolgreich sein zu können - eine Unterstützung, bei der die Eltern oft überfordert waren. Dank umfangreicher Beziehungen von ZAUG zu Betrieben in der Region sowie den von der Agentur für Arbeit übermittelten Betriebskontakten konnten diese Jugendlichen in Praktika vermittelt werden.

Campleiterin Monika Neumaier äußerte sich über den Verlauf des ersten Camps sehr zufrieden: "Der volkswirtschaftliche Nutzen ist schon bei einem geschaffenen Ausbildungsplatz gegeben. Somit legitimiert sich das Camp mehrfach und ich muss nicht weiter zusehen, dass die jungen Menschen ohne Perspektive und Aussicht auf Zukunft arbeitslos bleiben".

In Anbetracht des Erfolges ist das nächste Ausbildungscamp 2012 schon in Planung.

Stimmen von Teilnehmenden

"Ich fand es gut, dass wir nochmal geguckt haben, was wir machen wollen. Dadurch hat sich mein Berufsbild verändert. Am Anfang wollte ich Industriekauffrau werden, jetzt bewerbe ich mich bei der Stadtverwaltung in Lich, wo ich mein Praktikum gemacht habe, als Verwaltungsfachangestellte (...) für das Jahr 2012. Davor besuche ich die Einjährige Höhere Handelsschule für Wirtschaft der Friedrich-Feld-Schule in Gießen." (Lea Schulze,Schülerin)

"Ich finde es gut, dass den Jugendlichen geholfen wird. In der Schule hat man oftmals nicht die Zeit ins Detail zu gehen. Eine detaillierte Berufsplanung ist so gut wie unmöglich. Ich finde es gut, dass jemand da ist, der hilft." (Maria Theresia Müller, Lehrerin)

"Ich habe ein Praktikum beim Telekomshop in Limburg gemacht. Die handeln da mit Handys und Internet. Das hat mir sehr gut gefallen. Da war ich zwei Tage, einen Tag war ich in der Berufsschule. Das war auch gut. Und ich habe eine Ausbildung bei der Telekom bekommen." (Amanuel Aydin, Teilnehmer)

Kontakt

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