Zum Inhalt springen Menü Menü

Sie sind hier:

Praxisbeispiel zum Qualitätsstandard MV10 - "Rechtskreisübergreifende Zusammenarbeit"


Gatekeeper U25 – Rechtskreisübergreifende Zusammenarbeit im Landkreis Kassel

Das Projekt Gatekeeper – Jugendberatung U25, das durch das Jobcenter Landkreis Kassel initiiert wurde, wird seit Januar 2017 in enger Kooperation mit dem Jobcenter und dem Fachbereich Jugend des Landkreises Kassel durchgeführt. Grundlage ist der im August 2016 neu eingeführte Absatz §16h im Sozialgesetzbuch II. Das Projekt ist bei der kommunalen Jugendberufshilfe angesiedelt. Die Jugendberufshilfe gehört zur Arbeitsförderungsgesellschaft im Landkreis Kassel (AGiL gGmbH).

Das Projekt Gatekeeper wurde als Teilziel zur rechtskreisübergreifenden Zusammenarbeit in die Regionale Strategie aufgenommen. Diese wurde von den OloV-Akteuren in Stadt und Landkreis Kassel im Sommer 2017 verabschiedet. Zielgruppe sind Jugendliche und junge Erwachsene, die sich in schwierigen Lebenslagen befinden und Hilfe bei der Ankopplung an das Sozialsystem benötigen, z.B. bei der Antragstellung für das ALG II. „Ziel ist es, junge Erwachsene rechtskreisübergreifend zu aktivieren, die mit den bisherigen Instrumenten nicht erreicht werden können, bzw. konnten“ (Regionale Strategie für den Übergang Schule - Beruf im Landkreis und der Stadt Kassel, März 2017). Durch das Angebot einer niedrigschwelligen Jugendberatung werden junge Erwachsene bis 25 Jahre unterstützt und begleitet. Gemeinsam werden Schritte geplant und gegangen, um den Teilnehmenden die bestmögliche Hilfestellung zu geben. Das intensive Beratungs- und Begleitungsangebot dauert ca. drei Monate und kann ggf. um weitere drei Monate verlängert werden.

Ziele und Zielgruppen des Projekts sind in der regionalen Strategie wie folgt beschrieben:

„Zwischen dem Landkreis Kassel und dem Jobcenter Landkreis Kassel besteht Einigkeit, dass weitere gemeinsame Schritte notwendig sind, drohende Arbeitslosigkeit und in der Folge Perspektivlosigkeit von schwer erreichbaren Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Übergang zwischen Schule und Beruf nachhaltig zu bekämpfen. Der ‚Gatekeeper U25‘ hat die Aufgabe, Entkoppelungstendenzen rechtskreisübergreifend entgegen zu wirken, mit dem Ziel schwer erreichbare Jugendliche und junge Erwachsene im Außendienst zu aktivieren und (wieder) an den Schreibtisch der Integrationsfachkräfte im Jobcenter zu führen. Neben den jungen Menschen, die bereits Leistungen zum Arbeitslosengeld II (ALG II) beziehen und regelmäßig durch Meldeversäumnisse und/ oder mangelnde Mitwirkung aufgefallen sind, gehören Schulabbrechende/ Schulverweigerer, von Wohnungslosigkeit, Überschuldung, Suchtproblemen und Perspektivlosigkeit Betroffene außerhalb des Rechtskreises SGB II. Diese sind dem Träger der Jugendhilfe, Jugendgerichtshilfe häufig schon seit Jahren persönlich bekannt. Auch diesen jungen Leuten soll durch die aufsuchende Arbeit des „Gatekeeper U25“ eine Antragstellung zum ALG II ermöglicht werden, gerade wenn sie dies bisher nicht alleine konnten, bzw. nicht wollten.“ (Regionale Strategie für den Übergang Schule - Beruf im Landkreis und der Stadt Kassel, März 2017)

Der Zugang zum Angebot erfolgt über das Jobcenter Landkreis Kassel U25, den Fachbereich Jugend des Landkreises, die örtliche Jugendarbeit, andere Beratungsstellen, über freie Träger oder durch Mund-zu-Mund-Propaganda und Selbstmelder/innen.

Eine eindeutige Stärke des Projektes liegt darin, dass auf die unterschiedlichen Anliegen junger Menschen flexibel reagiert werden kann. Das Angebotsspektrum reicht von Kurzzeitberatungen bis hin zu aufwändigen und komplexen Beratungs- und Unterstützungsleistungen, bei denen auch Elemente sozialpädagogischer Begleitung zum Tragen kommen können.

Mit einer Anschluss-Förderung des Jobcenters Landkreis Kassel im Projekt LAiKA (Lernen und Arbeiten in Kassel) gibt es für (wieder) angedockte Jugendliche seit dem Frühjahr 2019 ein bis zu 12monatiges Angebot incl. werktäglicher Präsenz. Es handelt sich dabei um eine praxisorientierte Aktivierungshilfe für Jüngere (AhfJ) mit sozialpädagogischen Schwerpunkt. Somit wurde die regionale Förderkette der Berufsvorbereitung unterschwellig und individuell vervollständigt, mit dem Ziel, keinen Jugendlichen wieder zu verlieren.

Aus den Erfolgsbetrachtungen der ersten Förderjahre 2017/2018 wurde deutlich, dass die Gatekeeper bei jedem zweiten der erreichten Teilnehmer einen gezielten Impuls geben konnten, um die Weichen für die soziale, bzw. berufliche Integration zu stellen. Häufig waren, wie erwartet, weitere sozialintegrative Maßnahmen notwendig, bevor die Regelinstrumente der Berufsvorbereitung vermittelt werden können. Bei ca. 20 % der Teilnehmer entwickelte sich kurz- bzw. mittelfristig eine Integration in Arbeit, Ausbildung und/ oder die Teilnahme an einer berufsfördernden Maßnahme.

Weiterführende Informationen

Kontakt

Jugendberufshilfe im Landkreis Kassel
AGiL gGmbH
Rainer-Dierichs-Platz 1
34117 Kassel

Jugendberatung U25
im KuBa Nord
Projekt Gatekeeper

Aufnahmedatum: 06.11.2019

Zurück zum Seitenanfang